
Kommentar des Vorstandes des Nationalen MINT Forums zum Bildungsbericht 2026
Indra Hadeler & Dr. Tobias Ernst
Der Bildungsbericht 2026 setzt ein Warnsignal: Die durchschnittlichen mathematischen sowie computer- und informationsbezogenen Kompetenzen von Schülerinnen und Schülern gehen weiter zurück. Zugleich steigt der Anteil der Jugendlichen, die Mindeststandards in Mathematik nicht erreichen. Besonders besorgniserregend ist, dass diese Rückgänge alle Leistungsniveaus betreffen und eng mit sozialen Ungleichheiten verbunden sind.
Aus Sicht des Nationalen MINT Forums berühren diese Befunde zentrale Zukunftsfragen unseres Landes. Sie sind Indikatoren für längerfristige, strukturelle Probleme: Zu viele junge Menschen verlassen die Schulen ohne die nötigen Basiskompetenzen, um eine MINT-Berufsausbildung oder ein Studium erfolgreich zu bewältigen. Mathematische, digitale und technologische Kompetenzen sind Grundlage für Innovationsfähigkeit, gesellschaftliche Teilhabe, technologische Souveränität und Fachkräftesicherung. Wenn immer mehr junge Menschen grundlegende MINT-Kompetenzen nicht ausreichend erwerben, gefährdet dies ihre individuellen Chancen ebenso wie die Zukunftsfähigkeit Deutschlands.
Die Ergebnisse des Bildungsberichts unterstreichen daher die Bedeutung des Aktionsplans MINT+ des BMBFSFJ und BMFTR. Das Nationale MINT Forum begrüßt dessen systemischen Ansatz, MINT-Bildung entlang der gesamten Bildungsbiografie zu denken und formale wie non-formale Bildungsangebote stärker miteinander zu verzahnen. Gerade die im Bericht beschriebenen Rückgänge beim fachbezogenen Interesse und Selbstkonzept im Fach Mathematik zeigen, dass MINT-Bildung nicht allein im Fachunterricht gestärkt werden kann. Es braucht kohärente Bildungswege, starke Ganztagsangebote, außerschulische Lernorte, regionale Bildungsökosysteme und verlässliche Kooperationen zwischen Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Zivilgesellschaft.
Besonders wichtig ist dabei der Fokus auf Chancengerechtigkeit. Der Bildungsbericht verdeutlicht erneut, wie stark soziale Herkunft Bildungserfolg und Kompetenzentwicklung prägt. MINT-Bildung muss daher möglichst in frühen Phasen der Bildungsbiographie alle Kinder und Jugendlichen erreichen – unabhängig von Herkunft, Geschlecht, Wohnort oder sozialem Umfeld. Die Erschließung bislang ungenutzter Talente ist eine Frage der Fairness.
Auch die Entwicklung computer- und informationsbezogener Kompetenzen verlangt entschlossenes Handeln. Junge Menschen nutzen digitale Technologien und KI-Anwendungen zunehmend selbstverständlich. Entscheidend ist, sie nicht nur zu Anwenderinnen und Anwendern, sondern zu kompetenten Gestalterinnen und Gestaltern digitaler Technologien zu befähigen. Dafür braucht es hochwertige MINT-Angebote, qualifiziertes Personal und nachhaltige Strukturen.
Der Bildungsbericht 2026 bestätigt damit den Handlungsauftrag, den Aktionsplan MINT+ zügig, verbindlich und wirkungsorientiert umzusetzen. Entscheidend wird sein, nachweisbar erfolgreiche Strukturen langfristig abzusichern bzw. zu skalieren, Versorgungslücken zu schließen, regionale Netzwerke zu stärken und die Wirkung von Maßnahmen nachvollziehbar messbar zu machen.
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