Kommentar des NMF-Vorstandes zur Veröffentlichung der PISA-Ergebnisse

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08.09.2026

Kommentar des Vorstandes des Nationalen MINT Forums zur Veröffentlichung der PISA-Ergebnisse

Indra Hadeler & Dr. Tobias Ernst

Berlin, 8.9.2026 - Die heute veröffentlichten PISA-Ergebnisse zeigen, dass rund ein Viertel der Jugendlichen in den Naturwissenschaften und etwa ein Drittel in Mathematik nicht über ausreichende Basiskompetenzen verfügt. Damit fehlen ihnen wichtige Voraussetzungen für Ausbildung, Beruf und gesellschaftliche Teilhabe – und Deutschland verliert Potenziale, die wir für die Zukunft dringend brauchen.

Besonders alarmierend ist, dass der Bildungserfolg in Deutschland weiterhin stark von der sozialen Herkunft abhängt – entgegen dem Trend in den OECD-Ländern. Unterschiede nach sozio-ökonomischen Verhältnissen fallen dabei deutlich stärker ins Gewicht als Unterschiede nach Zuwanderungshintergrund. Gerade MINT-Bildung kann hier einen wichtigen Beitrag leisten: Sie muss früh beginnen und allen Kindern und Jugendlichen die Chance geben, mathematisch-naturwissenschaftliche Kompetenzen, Neugier und Zutrauen in die eigenen Fähigkeiten zu entwickeln.

Die Grundlagen für mathematisches Denken, naturwissenschaftliche Neugier und Problemlösekompetenzen entstehen bereits in der frühen Bildung. Wenn Ungleichheiten vor der Einschulung entstehen, muss Förderung dort ansetzen. Auch die PISA-Auswertung betont, dass Deutschland zu spät präventiv handelt. Das Kita-Qualitätsgesetz sowie der Rechtsanspruch auf einen Ganztagsschulplatz bieten die Potenziale, um MINT-Interesse frühzeitig und nachhaltig zu fördern.

Einen wichtigen zusätzlichen Befund liefert PISA mit dem erstmals untersuchten modellbasierten Problemlösen. Deutschland liegt hier mit 498 Punkten lediglich im OECD-Durchschnitt. Zugleich zeigt sich eine große Spreizung: Etwa ein Viertel der Jugendlichen erreicht nur niedrige, ein weiteres Viertel dagegen besonders hohe Kompetenzstufen.

Gerade dieser Befund unterstreicht die Bedeutung guter MINT-Bildung. Denn MINT-Bildung vermittelt nicht nur Wissen. Ihr Kern ist es, Fragen zu stellen, Zusammenhänge zu erkennen, Modelle zu entwickeln, Hypothesen zu überprüfen und auf dieser Grundlage Lösungen für Probleme zu finden. Sie stärkt damit genau jene Kompetenzen, die junge Menschen in einer von Digitalisierung, künstlicher Intelligenz und technologischem Wandel geprägten Welt zunehmend benötigen.

Mit den aktuellen PISA-Ergebnissen ist ein weiterer Tiefpunkt erreicht, Deutschland bleibt deutlich unter seinen Möglichkeiten. Wir verlieren zu viele junge Menschen bereits bei den MINT-Grundlagen – und zugleich verfügt Deutschland über erhebliche Potenziale. Beides muss uns antreiben. Wir brauchen eine starke und durchgängige MINT-Bildung von Anfang an, die Basiskompetenzen sichert und zugleich systematisches, kreatives und lösungsorientiertes Denken fördert. Denn MINT-Bildung vermittelt nicht nur Wissen über die Welt. Sie befähigt junge Menschen, die Welt zu verstehen und ihre Zukunft mitzugestalten.

 

 

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