
„Der aktuelle Informatik-Monitor 2026/27 zeigt: Deutschland kommt bei der Verankerung informatischer Bildung in den Schulen voran, aber längst nicht schnell und konsequent genug. Zwar ist Informatik inzwischen in zehn Bundesländern verbindlicher Bestandteil des Unterrichts in der Sekundarstufe I. Doch die meisten Länder bleiben hinter der Empfehlung der Ständigen Wissenschaftlichen Kommission (SWK) zurück, dem Informatikunterricht mehr Zeit einzuräumen.
Dieser Befund muss ein Weckruf für die Bildungspolitik sein. In einer Welt, die zunehmend von Algorithmen, künstlicher Intelligenz und datengetriebenen Technologien geprägt wird, gehört informatische Bildung zur Allgemeinbildung. Alle jungen Menschen müssen die Chance erhalten, digitale Technologien nicht nur anzuwenden, sondern sie zu verstehen, kritisch zu hinterfragen und aktiv mitzugestalten. Informatikbildung ist damit eine Frage der Bildungsgerechtigkeit, der gesellschaftlichen Teilhabe und der Zukunftsfähigkeit unseres Landes.
Die Chancen junger Menschen auf grundlegende Informatikkompetenzen dürfen nicht davon abhängen, in welchem Bundesland sie zur Schule gehen. Die Länder müssen deshalb die Empfehlungen der SWK konsequent umsetzen und ein verlässliches, kontinuierliches und qualitativ hochwertiges Angebot an Informatikunterricht sicherstellen.
Doch zusätzliche Unterrichtsstunden allein reichen nicht aus. Entscheidend ist, ob der Unterricht tatsächlich stattfindet und von fachlich wie fachdidaktisch qualifizierten Lehrkräften erteilt wird. Gerade hier stellt der Mangel an MINT-Lehrkräften, insbesondere im Fach Informatik, eine zentrale Herausforderung dar.
Wir haben in unserem Positionspapier „Dem MINT-Lehrkräftemangel begegnen“ konkrete Maßnahmen vorgeschlagen: attraktivere und flexiblere Zugänge zum Lehramt, die gezielte Gewinnung und Qualifizierung von Quer- und Seiteneinsteigenden, die Öffnung für Ein-Fach-Lehrkräfte sowie eine nachhaltige Stärkung der Lehrkräftebildung und der Fachdidaktiken an den Hochschulen.
Wir brauchen nicht nur mehr Informatikunterricht auf dem Papier, sondern mehr qualifizierte Menschen, die ihn gestalten.
Gleichzeitig müssen Schulen neue Wege der Zusammenarbeit gehen. In unserem Positionspapier „MINT-Personal an Schulen“ setzen wir uns für multiprofessionelle Teams und eine stärkere Einbindung zusätzlicher Fachkräfte ein. Menschen aus Wissenschaft, Wirtschaft und außerschulischen Bildungseinrichtungen können Schulen unterstützen, den Unterricht bereichern und Lehrkräfte entlasten. Dafür braucht es verlässliche Strukturen, klare Verantwortlichkeiten und ausreichende Ressourcen. Außerschulische MINT-Angebote können den Unterricht sinnvoll ergänzen, dürfen aber eine gesicherte schulische Unterrichtsversorgung nicht ersetzen.
Der Informatik-Monitor 2026/27 macht deutlich: Die Länder brauchen eine gemeinsame Strategie, die den verbindlichen Ausbau informatischer Bildung mit einer langfristigen Personal- und Qualifizierungsoffensive verbindet. Dazu gehören eine vorausschauende Personalplanung, kontinuierliche Fortbildungsangebote und mehr Offenheit für neue Formen der Zusammenarbeit.“
Zum Informatik-Monitor: Studie
Die Studie wird von unseren beiden Mitgliedern, dem Stifterverband und der Heinz Nixdorf Stiftung herausgegeben, als auch von der Gesellschaft für Informatik e. V..

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