Schule und mehr – gemeinsam die Zukunft der MINT-Bildung gestalten

Berlin, 09. Juni 2020 – Schulen brauchen in den MINT-Fächern eine curricular verankerte Zusammenarbeit mit außerschulischen Lernorten, um über die aktuelle Krise hinaus zukunftsfest zu werden. Dazu gehört eine Stärkung regionaler Strukturen durch eine enge Zusammenarbeit zwischen Bund, Ländern und Kommunen. Weiterhin sind tragfähige Konzepte für das digitale Lehren und Lernen zu entwickeln und umzusetzen und der Aufbau multiprofessioneller Teams notwendig. Seine fünf Kernforderungen zur MINT-Bildung stellte heute das Nationale MINT Forum (NMF) in Berlin vor. Bereits zum März erarbeitet, finden sie nun Bestätigung in der aktuellen Corona-Krise.

Seit nunmehr 8 Jahren erarbeiten wir Kernforderungen zu aktuellen Fragen der MINT-Bildung, um sie auf dem Nationalen MINT Gipfel gemeinsam mit der Bundes- und Landespolitik, Wissenschaft, Wirtschaft sowie der MINT-Community zu diskutieren. Die für den 27. Mai 2020 geplante Veranstaltung musste nun wegen der Corona-Pandemie abgesagt werden. „Unsere Forderungen wollen wir trotzdem zur Diskussion stellen – erst recht, als sich in der aktuellen Krisensituation zeigt, wie richtig wir damit liegen“, sagten heute Edith Wolf und Dr. Ekkehard Winter. Eine Forderung wurde zwar unmittelbar auf die Corona-Krise hin ergänzt, sie betont aber nur den auch vom NMF schon zuvor immer wieder benannten Bedarf an tragfähigen Modellen für das digitale Lernen und Lehren.

„Schon vor der Krise war klar, dass wir die Schulen in ihrem Bildungsumfeld in den Mittelpunkt des dies­jährigen Gipfels stellen wollten“, sagt Edith Wolf und begründet: „Die Schulen stehen vor einem grundlegenden Wandel in ihrem Selbst­verständnis“. Sie müssen die Kinder und Jugendlichen auf die gesellschaftlichen und schulinternen Herausforderungen vorbereiten. Zugleich aber sollen sie mit ihren Unterrichtsmethoden auf den Paradigmenwechsel hin zu mehr Problemlösungskompetenz reagieren, denn das wird heute in der beruflichen Ausbildung, im Studium und später auf dem Arbeitsmarkt verlangt. Auch angesichts der Erfahrungen in der aktuellen Krise bleibt in den Augen des NMF richtig: „Der Wandel gelingt nur, wenn neue Lehr- und Lernmethoden, die Kooperation mit neuen Bildungspartnern und die Integration neuen Lehrpersonals vorangetrieben werden,“ sagte Wolf.

“Ein wichtiger Schlüssel für den erfolgreichen Wandel liegt für uns in der Zusammenarbeit mit außerschulischen Lernorten“, erklärte Dr. Ekkehard Winter. Sie seien eine wesentliche Ergänzung für den Schulunterricht und sollten im Curriculum fest verankert sein. „Die vielen außerschulischen Initiativen dürfen wir in der aktuellen Krise nicht vergessen, sondern müssen sie gezielt unterstützen und stärken“, appellierte Winter und verwies auf die MINT-Qualitätsoffensive, die das NMF vor wenigen Wochen gemeinsam mit weiteren NMF-Mitgliedern gestartet hat. Sie hat das Ziel, außerschulische Initiativen bei der eigenen Qualitätsentwicklung und Wirkungsorientierung zu unterstützen.

Die gegenwärtige Corona-Pandemie stellt die Anpassungsfähigkeit der Schulen auf eine harte Probe und wird das Bildungssystem zweifellos nachhaltig beeinflussen. Umso wichtiger ist, die Schulen jetzt mit aller Kraft bei ihren Aufgaben zu unterstützen. Dabei geht es nicht nur darum, die gegenwärtige Krise zu meistern und Rück­schritte etwa in Fragen der Bildungs­gerechtigkeit oder Rollenklischees zu verhindern, betonte das NMF-Sprecherteam und forderte: „Wir dürfen vor allem nicht nachlassen, an einem zukunftsfähigen MINT-Bildungssystem weiterzubauen, das Schule und außerschulische Lernorte zu einem Ganzen verbindet.“

 

Die Kernforderungen

 

Präambel

Die Schulen stehen vor einem grundlegenden Wandel in ihrem Selbstverständnis. Sie müssen junge Menschen auf die großen aktuellen und langfristigen Herausforderungen unserer Zeit vorbereiten. Zugleich müssen sie neuen Anforderungen wie Digitalisierung und Inklusion genügen, aber in ihren Unterrichts­methoden auch den Paradigmenwechsel im MINT-Bereich hin zu mehr Problemlösekompetenz aufgreifen – einer Kernkompetenz, die zur Vorbereitung auf das Studium bzw. die duale Berufsausbildung und die anschließende berufliche Tätigkeit erwartet wird. Die gegenwärtige Corona-Pandemie stellt die Anpassungsfähigkeit von Schule zusätzlich auf eine harte Probe und wird das Bildungssystem nachhaltig beeinflussen. Für Bildungsgerechtigkeit zu sorgen stellt in diesen Zeiten eine noch schwieriger zu bewältigende Herausforderung dar als zuvor. Angesichts des drohenden Rückfalls in alte Rollenklischees bleibt die Erschließung des Potenzials von Mädchen und Frauen für Karriereperspektiven in MINT ein Desiderat mit verstärkter Dringlichkeit.

Die MINT-Bildung zeigt besonders deutlich, dass der Wandel nur zu schaffen ist, wenn sich die Schule noch weiter als bisher für neue Lehrinhalte und -methoden und – mehr noch – für neue Bildungspartner sowie neues Lehrpersonal öffnet. Mit dem MINT-Aktionsplan hat die Bundes­regierung in 2019 einen wichtigen Impuls gesetzt. Jetzt gilt es, die neu entstehenden Strukturen und die bereits erfolgreichen vorhandenen MINT-Initiativen mit den Schulen zu einem vielgestaltigen Bildungsökosystem zu verknüpfen. Zu diesem Zweck müssen alle politischen Ebenen neue Kooperationsformen finden, es müssen neue curriculare Konzepte entwickelt, neue Personalkategorien und neue Professionali­sierungs­wege für das Lehrpersonal geschaffen werden. All dies dient den Schulen, den anstehen­den Wandel erfolgreich zu meistern.

Uns ist bewusst, dass zur Umsetzung der von uns geforderten Maßnahmen zusätzliche Ressourcen bereitgestellt werden müssen. Wir sind aber überzeugt, dass sich Krisen nur meistern lassen, wenn staatliche, privatwirtschaftliche und zivilgesellschaftliche Akteure jetzt in Bildung investieren.

Lernen mit digitalen Medien
Regionale Strukturen
Curriculare Konzepte
Personalkategorien
Lehrkräftebildung

VIDEO

Edith Wolf, Co-Sprecherin des NMF, zu den Kernforderungen 2020

Dr. Ekkehard Winter, Co-Sprecher des NMF, zu den Kernforderungen 2020

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