Zum MINT-Nachwuchsbarometer 2019: frühzeitig und klischeefrei MINT-Bildung stärken

Potenzialentwicklung in der MINT-Bildung in den Fokus nehmen

Berlin, 12.06.2019 – Das heute veröffentlichte MINT-Nachwuchsbarometer zeigt, dass die Potenziale der MINT-Bildung besser ausgeschöpft werden müssen. Die MINT-Bildung in Schule muss stärker mit außerschulischen Initiativen verknüpft arbeiten und so Kinder und Jugendliche entlang der gesamten Bildungskette für MINT motivieren. Was zu tun ist, um junge Menschen und insbesondere junge Frauen für die vielfältigen beruf­lichen Möglichkeiten in MINT zu gewinnen und dort zu halten, wird auf dem diesjährigen Nationalen MINT Gipfel am 27.06. in Berlin diskutiert.

„Wir sind unseren beiden Mitgliedern acatech und Körber-Stiftung sehr dankbar, dass sie das MINT-Nachwuchsbarometer herausbringen, denn die Daten und Empfehlungen daraus sind eine wichtige Grundlage für unsere Arbeit“, sagten heute die beiden Sprecher des Nationalen MINT Forums, Dr. Nathalie von Siemens und Dr. Ekkehard Winter. Deswegen habe man auch den Leiter der Studie Prof. Dr. Olaf Köller gebeten, auf dem diesjährigen Nationalen MINT Gipfel die wichtigsten Ergebnisse des Nachwuchsbarometers darzustellen. Köller ist Direktor des Leibniz-Instituts für die Pädagogik der Naturwissenschaften und Mathematik an der Universität Kiel.

Obwohl die MINT-Leistungen der 15-Jährigen über dem OECD-Mittelwert liegen, so ein Ergebnis des aktuellen MINT-Nachwuchsbarometers, sind ihre Motivation und Freude an den MINT-Fächern und MINT-Berufen gering.  Für die Berufswahlent­scheidungen und Schwerpunktsetzungen in der gymnasialen Oberstufe, so betonen die Wissenschaftler der Studie, werden in der Sekundarstufe I (bis zur 10. Klasse) die Weichen gestellt. Die Jugendlichen festigen in dieser Entwicklungsphase ihre Selbstwahrnehmung der eigenen Stärken und Schwächen in den verschiedenen Fächern.

Wie wichtig es ist, nicht nur in der Phase der Berufs- und Studienorientierung für MINT zu werben, sondern die Jugendlichen auch während der Ausbildungsphase gezielt zu begleiten, wird im MINT-Nachwuchs­barometer betont: Im internationalen Vergleich nehmen zwar überdurchschnittlich viele junge Menschen in Deutschland ein MINT-Studium auf, die Zahl der Studienabbrüche stelle aber nach wie vor eine Herausforderung dar. Erste Gegenmaßnahmen laufen über den »Qualitätspakt Lehre« des Bundesbildungsministeriums oder Maßnahmen beispielsweise zur Selbsteinschätzung der Studien­eignung über Online-Self-Assessments oder Unterstützungsprogramme für den Studien­einstieg.

Die beiden NMF-Sprecher schlussfolgern daraus: „Die Berufs- und Studienorientierung sollte frühzeitig gestärkt werden und dabei nicht nur Studierfähigkeit und Ausbildungsreife im Blick haben, sondern auch die Begeisterung für MINT-Fächer wecken.“ Auf dem Nationalen MINT Gipfel werde genau darüber diskutiert, welche Maßnahmen tatsächlich bewirken, dass junge Menschen sich für MINT-Fächer begeistern, eine entsprechende berufliche oder akademische Ausbildung wählen und diese auch abschließen.

Ein eigener Schwerpunkt wird auf dem Gipfel der Frage gewidmet, wie Mädchen und junge Frauen für MINT gewonnen und in MINT-Ausbildungen und -Berufen gehalten werden können, denn sie sind ganz offenkundig spezifischen Einflüssen und Wirkmechanismen ausgesetzt, wie auch drei Befunde aus dem aktuellen MINT-Nachwuchs­baro­meter bestätigen. Dort heißt es: 1) Die Interessen von Jungen und Mädchen entwickeln sich im jüngeren Alter unterschiedlich. Daher sind Maßnahmen, um den rollen­stereo­typen Entwicklungen entgegenzutreten, in der Sekundarstufe I von besonderer Relevanz. 2) In den Schulfächern Physik und Informatik sind – anders als in Biologie, Chemie und Mathematik – männliche Lehrkräfte in der Mehrheit. Gerade für die Interessenbildung der Mädchen in der Sekundarstufe I ist es daher wichtig, möglichst noch mehr Lehrerinnen für die Fächer Physik und Informatik zu gewinnen, die als Role Model dienen können. 3) Der Draw-a-Scientist-Test zeigt, dass Fünf- bis Achtjährige noch annähernd gleich viele Frauen und Männer malen, Jugendliche im Alter von 14 bis 15 Jahren aber nur noch zu rund 25 % Frauen zeichnen. Diese stereotypen Vorstellun­­gen prägen Interessen, Kurswahlen und Berufswünsche von Jugendlichen und spiegeln sich in der geschlechtsspezifischen Fach- und Berufswahl wider.

Auf dem Nationalen MINT Gipfel wird mit Prof. Barbara Schwarze vom Kompetenzzentrum Technik-Diversity-Chancengleichheit eine ausgewiesene Wissenschaftlerin die zentralen Einflussfaktoren und Wirkmechanis­men entlang der Bildungs- und Erwerbsbiographie darstellen. Danach werden drei junge Frauen über ihre Erfahrungen in Schule, beruflicher Ausbildung und Studium berichten.

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Links: MINT-Nachwuchsbarometer 2019, 7. Nationaler MINT Gipfel 2019

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