Deutschland fehlen rund 326.100 Arbeitskräfte im MINT-Bereich

Berlin, 23. November 2022. Die Studie „MINT-Herbstreport“ zeigt, dass die Arbeitskräftelücke im MINT-Bereich (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik) trotz Ukraine-Krieg und der damit verbundenen konjunkturellen Abkühlung auf hohem Niveau bleibt. Die MINT-Lücke erreicht im Oktober 2022 mit insgesamt rund 326.100 einen der höchsten Werte für den Monat Oktober. Engpässe sind in den IT-Berufen und Berufen der Energie- und Elektrotechnik zuletzt stark gestiegen. Im Baubereich nehmen Engpässe wieder leicht ab. MINT ist zur Erreichung von Erfolgen in Transformationsprozessen zentral und sichert die Zukunftsfähigkeit unseres Landes.

Prof. Dr. Axel Plünnecke, Leiter Themencluster Bildung, Innovation und Migration am Institut der deutschen Wirtschaft Köln: „Unternehmen erwarten steigende Bedarfe an MINT-Kräften, um die Herausforderungen von Klimaschutz, Digitalisierung und demografischen Wandel zu meistern. Dazu erhöhen der Ukraine-Krieg und steigende Energiepreise den Druck, Geschäftsmodelle anzupassen. Eine stärkere Innovationstätigkeit ist der zentrale Hebel, um die Herausforderungen zu meistern. 77 Prozent aller Erwerbstätigen in den Tätigkeitsfeldern Forschung und Entwicklung haben eine MINT-Qualifikation. Nur mit entsprechenden MINT-Fachkräften sind daher zusätzliche Innovationen möglich.“

Indra Hadeler, Geschäftsführerin Bildung und Internationale Beziehungen des Arbeitgeberverbandes Gesamtmetall: „60 Prozent der Beschäftigten in der Metall- und Elektro-Industrie arbeiten in MINT-Berufen. Die Sicherung des MINT-Nachwuchses ist für die M+E-Industrie daher zentral! MINT-Qualifikationen bilden zudem die Grundlage für die Entwicklung und Herstellung technischer Lösungen, mit denen wir die Weichen stellen für die Digitalisierung und die Dekarbonisierung und damit für nachhaltiges Wachstum. Die M+E-Industrie investiert pro Jahr rund 101 Milliarden Euro in Innovationen – das sind 59 Prozent der deutschen Innovationsaufwendungen. Klimaschutz und Digitalisierung gewinnen dabei deutlich an Bedeutung. Große Sorgen macht uns, dass die Anzahl der Studienanfänger:innen in den MINT-Fächern in den letzten fünf Jahren um rund 13 Prozent gesunken sind und auch viele Lehrstellen in MINT-Berufen nicht besetzt werden können.“

Christina Ramb, Mitglied der Hauptgeschäftsführung der BDA: „MINT-Berufe sind besonders attraktiv. Die Löhne von MINT-Beschäftigten sind höher als im Durchschnitt anderer Berufe. Über 60 Prozent der MINT-Akademikerinnen und -akademiker sind Bildungsaufsteiger. Trotzdem fehlt uns der Nachwuchs. Erfreulich ist, dass der Anteil der Frauen in MINT-Berufen in den letzten Jahren leicht gestiegen ist. Damit können wir uns aber nicht zufriedengeben und müssen unsere Anstrengungen verstärken, Mädchen und junge Frauen für MINT zu begeistern. Ohne Erfolge bei der Zuwanderung in den letzten Jahren würden weitere rund 340.000 MINT-Fachkräfte fehlen. Wir brauchen in Deutschland vereinfachte Regelungen sowie eine Entbürokratisierung bei der Zuwanderung, um weitere Potenziale zu heben.“

Prof. Dr. Christoph Meinel, Vorstandsvorsitzender von MINT Zukunft schaffen: Deutschland muss bei der Digitalisierung im Bildungsbereich dringend schneller vorankommen. Dafür ist es wichtig, dass die Digitalisierung endlich als Querschnittsthema in den Schulen begriffen und behandelt wird und es uns gelingt, auch Schülerinnen und Schüler, die weniger technikaffin sind, stärker für digitale und informatische Lösungen zu begeistern. Ein weiterer wichtiger Schritt ist die Schließung der noch bestehenden Lücken bei der digitalen Ausstattung an Kitas und Schulen, die bessere Unterstützung und Weiterbildung der Lehrkräfte und die Entwicklung digitaler Lehr- und Lehrmaterialien.“

Edith Wolf und Dr. Ekkehard Winter, Vorstände des Nationalen MINT Forums: „Die jüngsten Vergleichstests an Schulen machen deutlich, dass die Kompetenzen auch in den MINT-Fächern sinken und die Chancenungleichheit bereits in der frühen Phase vieler Bildungsbiografien so massiv zunimmt, dass für eine große Zahl von Kindern und Jugendlichen ein Weiterlernen kaum noch möglich ist. Durch gezielte Aufholprogramme und hochwertige MINT-Bildung im schulischen Ganztag müssen Bildungs- und damit Teilhabechancen verbessert werden. Wir setzen dabei große Hoffnung in das Startchancen-Programm; bei dessen Ausgestaltung sollten MINT-Lernangebote, auch solche außerschulischer Akteure, eine zentrale Bedeutung bekommen.“

 

 

Über den MINT-Report

Der MINT-Report wird zweimal jährlich vom Institut der deutschen Wirtschaft Köln erstellt. Die Studie entsteht im Auftrag folgender Mitglieder des Nationalen MINT Forums: Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände, Arbeitgeberverband Gesamtmetall und MINT Zukunft schaffen.

 

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